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Drei Orgeln stehen in der Weinsberger Johanneskirche: die Mühleisen-Orgel (2005), die Kaul-Orgel (1989) im Ostchor und seit 2003 eine Truhenorgel mit drei Registern aus der Werkstatt von Werner Zehaczek
Mühleisenorgel 2005
Ostchor-Orgel (Kaul)
Truhenorgel (Zehaczek)
Näheres über diese Instrumente erfahren Sie hier:
Alte Weigle-Orgel
Neue Mühleisen-Orgel
Ostchor-Orgel (Kaul)
Aus der Geschichte
Orgeln in der Johanneskirche Weinsberg
(Brief von Gotthilf Kleemann vom 17. 2. 1974, Nachforschungen im Hauptarchiv und Landeskirchlichen Archiv Stuttgart)
...Wann
die erste Orgel aufgestellt wurde, vor 1700 oder vor 1600 ist nicht
bekannt, auch nicht der Erbauer oder nähere Angaben über sie. Die erste
Erwähnung erfolgte 1706, als Rat, Vogt und Bürgermeister über die
Anschaffung von Pauken für Kirchenmusik berichten mußten... Beim
Sadtbrand von 1707 blieben Kirche und Orgel verschont. Anno 1758
...teilt die Weinsberger Kirchenpflege dem herzoglichen Kirchenrat mit,
daß sie ihre Kirchen- und Schulorgel instand setzen will.
Wahrscheinlich zeigte die erstere schon Altersdefekte; die Schulorgel
diente hauptsächlich...der Einübung von Chorälen,welche die
Lateinschüler...zur Untertützung des Gemeindegesangs zu singen hatten
wie auch zur Einübung kirchenmusikalischer Stücke...Jedenfalls hielt
das Intrument infolge mehrerer Reparaturen bis 1822 durch. Die letzte
Ausbesserung erfolte Juli/August 1800 durch Carl Graf/Mosbach um 411
Gulden 40 Kreuzer, dazu hieß es: „Die Orgel war shon einige Jahre in
einem äußerst schlechten Zustand, eine neue würde 2000 bis 3000 Gulden
erfordern.“
Um
1821 wurde Eberhardt Friedrich Walcker/Ludwigsburg (1794-1872)...mit
dem Bau einer neuen Orgel in Weinsberg bauftragt.Es war eine der ersten
(Anm.: op. 2), die ihm anvertraut wurden. Es war ein einfaches ...Werk
mit einem Manual, Pedal und 16 Registern. Aus Vaters Taschenkalender
1822/23: „...für Zinnpfeifen kaufte er 366 Pfund Zinn, die auf 207
Gulden 24 Kreuzer kamen.“ Am 16. Dezember 1822 war der Orgelbauer mit
dem neuen Instrument auf Fuhrwerken nach Weinsberg gekommen, im
Frühjahr 1823 war es gebrauchsfertig aufgerichtet. Auf der oberen
Empore vor dem Chor (Anm.: an der Ostwand über dem Triumphbogen!) stand
die Orgel wie die Vorgängerin; sie reichte bis zur Decke...Um 1860
erhielt sie Stimmung und Säuberung; anlässlich einer umfassenden
Kirchenrenovierung wurde die Orgel (1871) an die Westwand versetzt.
Erweiterung und Verbesserung wurden für 1881 in Aussicht genommen, im
folgenden Jahr für 3000 Mark umgebaut und bestens instand gesetzt...Die
Orgel besitzt nun 2 Manaule mit 24 klingenden Registern, für die 1899
ein Stimmvertrag mit der Fa.Weigle/chtedingen geschlossen wird.
Fortsetzung der Orgelgeschiche aus: Willy Schwarz: Aus der Geschichte einer alten Weinsbergerin
...1871
bin ich auf die Westempore versetzt worden, bekam ein neues Gebläse und
6 neue Register, auch eine zweite Klaviatur (Manual). Mit diesem
zweiten Manual habe ich mich nie recht befreunden können. Dieses
Gesäusel paßte gar nicht zu meinem hellen Klang. Mein Festregister
haben sie mir damals auch umgemodelt, so daß ich damit nimmer
jubilieren, sondern nur noch schreien kann. Einen komischen Geschmack
hatten die damals. Der neue Platz bei den Fenstern hier oben ist mir
nicht gut bekommen. Alle Augenblicke war ich erkältet. Beim
Sylvestergottesdienst und am Karfreitag, wenn die Kirche so voll war,
bin ich jedesmal ins Schwitzen gekommen, im Frühjahr und Herbst stand
ich oft mit nassen Füßen da oben und im Sommer brachte ich kaum einen
Ton hervor, so trocken ist mir meine Kehle gewesen...
Gutachten
des Kgl. Württ. Hoforgelbaumeisters E. F. Walker vom 24. September
1903: „Die Untersuchung des Pfeifenwerks hat ergeben, daß wie zu
vermuten, die alten Holzpfeifen... vielfach verwurmt, verklebt,
vernagelt und selbst mit Draht umbunden sind. Die Mechanik ist so
schwerfällig und klappert derart, daß kaum mehr anständig zu spielen
ist...
Aus einem Brief des Organisten vom 23. September 1911.
..Euer
Hochwürden haben sich am letzten Sonntag bei einem nochmaligen Versuch
überzeugt, daß die Orgel nicht allein im Gebläse, sondern auch in der
Mechanik durch die Hitze so schwer gelitten hat, daß ihre Verwendung
einer Störung. des Gottesdienstes gleichkommt... Ich bin genötigt,
nunmehr das Harmonium zu benützen, bis der Orgelbauer Abhilfe
geschaffen hat. Böhringer.
Aus einem Bericht vom 12. Januar 1912:
.
... Nur das II. Manual, das Manual, das in den achtziger Jahren neu
eingesetzt wurde, ... ist noch in verhältnismäßig ordentlichem Zustand.
Doch leidet dessen Klangwirkung sehr unter seiner ungünstigen Lage....
Bei dieser ausgeleierten Mechanik können nun natürlich keinerlei
Ansprüche auf eine halbwegs ordentliche Funktion gemacht werden... Die
starke Einwirkung der übernatürlichen Hitze des vergangenen Jahres hat
nun ihr Übriges getan, um der an und für sich schon halb unbrauchbaren
Orgel noch den letzten Treff zu geben... Das Beste an Ihrer
Orgelangelegenheit wäre ja allerdings eine sofortige Neuanfertigung des
1. Manuals, des Pedals und ein Umbau des II. Manuals samt hiebei
nötiger Anfertigung eines neuen Spieltisches."
Gutachten von Kirchenmusikdirektor Prof. A. Schäffer, Heilbronn, 22. Mai 1930.
...Die
Intonation der einzelnen Stimmen ist meist sehr charakteristisch und
gut getroffen, besonders gut diejenige der Holzbläser und Prinzipale.
Diese Register stammen wohl noch aus dem ursprünglichen Werk, das
vermutlich vor 100 Jahren erbaut wurde...die ganze Anlage zeigt
bedenkliche Mängel. Die Pfeifen auf den Windladen stehen ohne Stützen
zu eng aufeinander, die Stimmgänge fehlen, so daß der Stimmer nur mit
Mühe zu den Pfeifen gelangen kann. Mancher Anstand bleibt nur aus
diesem Grunde dauernd unbehoben.
Gutachten des zuständigen Orgelpflegers, Herrn Kirchenmusikdirektor W. Lutz, Stuttgart 1954
„Allgemeiner Zustand: schlecht, Stimmung: ordentlich, Abnützung: stark, Verschmutzung: stark,
Holzwurm: stark, Motor in Ordnung. Instandsetzung der Orgel dringend nötig! “
Verhandlungsbuch des Kirchengemeinderats. 8.Sept.1954.
Der
KGR beschließt, die Orgelbaufirma Weigle mit der gründlichen
Untersuchung und Aufstellung eines Kostenvoranschlags zwecks
Erneuerung der Orgel zu beauftragen.
Aus dem Gutachten der Fa. Weigle vom 28. Okt. 1954:
...
Dies würde praktisch auf eine neue Orgel unter Belassung des Gehäuses
und Prospekts und möglichst weitgehender Wiederverwendung des noch
brauchbaren Pfeifenmaterials hinauskommen. Durch Belassung... einer
ganzen Anzahl der alten Register wäre auch dem denkmalpflegerischen
Standpunkt Rechnung getragen.
....
Wir haben nun überschlägig errechnet, daß eine 2-manualige auf ca. DM
21 500 und eine 3-manualige auf ca. DM 23000 kommen würde. Die
Preisermäßigungen durch die Wiederverwendung und Umarbeitung des
vorhandenen Materials sind dabei nicht berücksichtigt.
Niederschrift einer Besprechung zwischen Orgelpfleger, Orgelbauer und Dekanat vom 2.11.1954.
Der
Vorschlag, Windladen, Traktur und Spieltisch neu zu bauen und nur die
Pfeifen wieder zu verwenden, wird als richtig bestätigt.... Dringend
empfohlen wird, die 14 Register des Hauptwerkes (II. Manual: 6) auf
zwei Windladen zu verteilen, sodaß die Orgel insgesamt 3 Manuale und
Pedal erhalten würde. Die klanglichen und musikalischen Vorteile stehen
in keinem Verhältnis zu den Mehrkosten.
8. Dezember 1954. Der KGR beschließt, die Fa. Weigle mit der Orgelerneuerung im Jahre 1955 zu beauftragen.
9.12. 1956 Einweihung der neuen 3-manualigen Weigle-Orgel
1980
Ausreingung durch Fa Bertfried Scharfe. Austausch des Pommer 8' im
Rückpositiv durch neues (Metall-)Gedeckt 8'. Erweiterung der
Schwellwerkslade durch Oboe 8' (franz. Bauart)
Januar 2005 Abbau der Orgel durch Mitarbeiter der Fa Mühleisen
13. November 2005 Einweihung der Mühleisen-Orgel durch KMD Gerhard Frisch mit Gottesdienst und Orgelkonzert
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